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Antiquariat Neue Kritik

Und alles wird erinnert

Julia Hartwig

Und alles wird erinnert

Gedichte 2001-2011

 

Herausgegeben und aus dem Polnischen von Bernhard Hartmann

125 Seiten
Englische Broschur
ISBN 978-3-8015-0404-5
17,00 EUR

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Autor / Pressestimmen
 

Die polnische Dichterin Julia Hartwig (* 1921) blickt in ihrem lyrischen Spätwerk zurück auf ein reiches, bewegtes Leben. Ihre Erinnerungen an persönliche Erlebnisse und poetische Momente, aber auch an Geschichtskatastrophen und politische Umbrüche fügen sich zu einer ungeschönten, aber niemals bitteren Bilanz fast eines ganzen Jahrhunderts.

 

Julia Hartwig ist eine der wichtigsten polnischen Dichterinnen ihrer Generation, die gleichwohl lange im Schatten von Autoren wie Zbigniew Herbert, Tadeusz Rózewicz oder Wisława Szymborska stand. In Deutschland führte das dazu, dass ihre Lyrik bis heute nicht in Buchform vorliegt (lediglich einige Gedichte wurden in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht).

 

Die Auswahl von Gedichten Julia Hartwigs aus den Jahren 2001-2011 möchte diese Lücke schließen und dem deutschsprachigen Publikum erstmals eine poetische Stimme von ganz eigenem Charakter und eigenem Klang präsentieren, die einerseits – wie die oben genannten Dichter – die historischen Erfahrungen ihrer Generation keinesfalls negiert, andererseits aber auch andere existenzielle Fragen verhandelt. Dabei achtet Julia Hartwig immer auf die poetische Form und hält Distanz zu übermäßigen Emotionen, ohne Widersprüche, Tragik und menschliche Schwächen zu beschönigen oder auszublenden. Das verleiht ihrem Werk eine einzigartige innere Spannung.

Pressestimmen

Dieses Gefühl kennt auch zu Genüge die in Deutschland bis jetzt kaum bekannte zweiundneunzigjährige Lyrikerin Julia Hartwig: »Ich danke dir für die dornige Gabe der Einsamkeit«, heißt es in einem Gebet, mit dem ihr Auswahlband »Und alles wird erinnert« endet. Obwohl er ebenfalls nur Gedichte aus den letzten zehn Jahren enthält, ist er zugleich das deutsche Debüt von Julia Hartwig. Dabei gilt sie seit Jahren als eine der großen alten Damen der polnischen Lyrik, neben Szymborska und Urszula Koziol. Hartwig wird als Dichterin, aber auch als Biographin von Apollinaire und de Nerval sowie als Übersetzerin französischer und amerikanischer Poesie hochgeschätzt.Spuren dieser frühen Arbeiten sind auch in ihrem lyrischen Spätwerk zu finden: »Glücklich wer wie Nerval / Nichts zu verbergen hat als seinen Wahnsinn.« Vor allem aber will sie darin die Erinnerung an »alles«, an die Hauptpersonen und die Schlüsselmomente ihres langen, bewegten Lebens festhalten. An ihre russische Mutter, die mit der Einsamkeit in der Fremde nicht zurechtkam (»In der Ostermesse, die sie alljährlich besuchte / fand sie ihre Sprache wieder«). An ihren Vater, einen bekannten Lubliner Fotografen, und ihren älteren Bruder Edward, der mit seinen Fotografieninternationalen Ruhm erlangte (»Er machte eine Kunst aus ihr«). An historische Erfahrungen, etwa die, im falschen Teil Europas geboren zu sein (»Warum tanzte ich nicht auf den Champs Elysées / als die Menge mit Hurrarufen das Kriegsende begrüße?«). An ihre langen Aufenthalte in Frankreich und Amerika und spätere Reisen. An politische Umbrüche. An die Freude des Umgangs mit Musik und Malerei. An Momente des privaten Glücks, der Verzweiflung und der verlorenen Unschuld: »Doch es gab Jahre die keiner zählte / königliche / als wir unter alten Eichen spielten / und die Ewigkeit bei uns war.« Eine poetische Lebensbilanz, die in einer ruhigen, von Bernhard Hartmann schön übersetzten Sprache daherkommt. »Man weiß nicht / Erinnerung ersehnend oder Vergessen«.

Marta Kijowska, Frankfurter Allgemeine Zeitung

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