Herausgegeber:

Micha Brumlik,
Dan Diner,
Lena Inowlocki,
Gertrud Koch,
Cilly Kugelmann,
Martin Löw-Beer
und Ifaat Weiß

 

 

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Antiquariat Neue Kritik

Die Zeitschrift Babylon

»Babylon« hat sich zu einem bedeutsamen Periodikum entwickelt, das die Auseinandersetzung um das deutsch-jüdische Verhältnis neu entfacht, einem streitbaren zudem, intellektuell anregend und engagiert zugleich. Ohne die jüdische Realität auszublenden und ohne sie identitätsstiftend zu überhöhen, richtet sich »Babylon« auch verstärkt an eine nichtjüdische Leserschaft, die bei der Lektüre kompromisslos daran erinnert wird, dass die jüdische Erfahrung als ein Brennglas der Erfahrung des 20. Jahrhunderts gesehen werden kann. »Babylon« ist nicht nur eine Zeitschrift, sondern auch ein Nachschlagwerk für deutsch-jüdische Geschichte.
(Doris Bulau, StadtRevue 5/1995 )

Babylon 1

Es geht der Zeitschrift nicht um die Interessenvertretung einer ethnischen Minderheit, sondern um die unabhängige Rolle des Intellektuellen, der nicht mit den Herrschenden paktiert und sich keiner politischen Fraktion verschreibt. Bewusst holen die Gründer »das Gespenst des jüdischen Intellektuellen« aus der Versenkung, um es als Gradmesser der Freiheit unserer Gesellschaft zu verwenden. Sie betrachten dies als eine Provokation - hoffen wir, dass sie unrecht haben. In den Vereinigten Staaten sieht Norman Birnbaum bereits erste Anzeichen eines neuen Antisemitismus. Noch ist die soziale Lage der jüdischen Intellektuellen vorzüglich, doch die Wirtschaftskrise und die Tendenz zu einer nicht mehr aufklärerisch-demokratischen, sondern christlich-fundamentalistischen Staatsbegründung beginnen ihre Stellung zu gefährden.
(Hermann Kurzke, FAZ, 27. Dezember 1986)

Wenn ein Periodikum, das »Beiträge zur jüdischen Gegenwart« enthält, auf den Namen »Babylon« hört, dann müssen die Herausgeber entweder eine Vorliebe für Biblisches oder einen besonderen Begriff von Gegenwart haben. Allenfalls könnte es sich noch um einen Versuch der Selbstironisierung handeln, aber diese Möglichkeit kann ziemlich sicher ausgeschlossen werden, denn gleich im Editorial stellen sich die »Babylon«-Macher als »universalistisch orientierte Intellektuelle« vor, die »Herkunftspartikularität reflektierend überschreiten wollen, ohne sie zu leugnen«. [...] Von Nachteil scheint mir, dass »Babylons« Beiträge zur jüdischen Gegenwart fast ausschließlich in der Vergangenheit fußen. Das Judentum ist keine archäologisch-museale Angelegenheit. Etwas mehr Jetzt-Zeit käme »Babylon« sehr zugute. Die Zeitschrift soll zweimal im Jahr erscheinen. Das nächste Heft wird sich mit dem Thema »Historiographie und Erinnerung« befassen.
(Henryk M. Broder, Pflasterstrand Nr. 250, Dezember 1986)

»Red' keinen Quatsch, mein Kind...« heißt die wirkliche Trouvaille von »Babylon«. Dieses Interview mit Marek Edelman, dem ehemaligen stellvertretenden Kommandanten des Warschauer Ghettoaufstandes, fand kürzlich mit Redakteuren der polnischen Untergrundzeitschrift »Czas« statt. Sie stellen Fragen, wie sie unter dem realsozialistischen Regime aufgewachsenen, politisch engagierten jungen Menschen einfallen. Edelmann hatte 1977 sich von der polnischen Journalistin Hanna Krall interviewen lassen - daraus entstand eine der besten politischen Reportagen, die es auf Deutsch unter dem missverständlichen Titel »Schneller als der liebe Gott« zu lesen gibt. Zwischen diesem Interviewband und dem in »Babylon« abgedruckten Text liegt die Erfahrung der Solidarnosc-Bewegung. Marek Edelman gibt den jungen Untergrundaktivisten eine kurze Schulung in politischem Denken, das schroff gegen jede Sentimentalität nur an der Wahrheit interessiert ist. Ein Mythos nach dem anderen zerbröckelt in der schonungslosen Analyse Edelmans. In jeder Zeile bricht Edelman mit der falschen Logik, dass das Wahre das genaue Gegenteil des Verhassten ist; so etwa auf den polnischen Katholizismus angesprochen, antwortet er politisch lapidar: »Heute glaubt jeder an Gott, um den Roten eins reinzuwürgen.« In dieser Klarheit geht es über zehn Seiten weiter, die Themen wechseln: Polen, Judentum, Zionismus, Antisemitismus, Sozialismus. Man kann nur jedem empfehlen, dieses Heft von »Babylon« zu kaufen und diese paar Seiten zu lesen: Einen besseren »Beitrag zur jüdischen Gegenwart« findet man nicht.
(Detlev Claussen, Hessischer Rundfunk)

Babylon 18

Das neue Heft befaßt sich mit »fundamentalistischen« Strömungen in der jüdischen Diaspora des 19. und 20. Jahrhunderts wie im Staat Israel (Matthias Morgenstern), aber auch mit den verschiedenen Spielarten des amerikanischen Fundamentalismus, in dem sich Messianisch-Sektiererisches zuweilen mit Antisemitischem verbindet (David S. Katz).
(Roland H. Wiegenstein, FR, 02. 01. 1999)

Babylon 19

Die Zeitschrift »Babylon«, die sich dem Versuch verschrieben hat, mit »Beiträgen zur jüdischen Gegenwart« im deutschsprachigen Raum wieder einen (säkular orientierten) jüdischen Diskurs zu etablieren, hat sich mehrfach mit Strategien europäischer und israelischer Gedächtnis- und Erinnerungspolitik auseinandergesetzt. Im jüngst erschienen Heft geht es um Erinnerung(smacht), Zugehörigkeit und Identität im Kontext multikulturalistischer Perspektiven.
(Barbara v. Reibnitz, NZZ, 09. 02. 2000)

Dass jüdische Identität, die wir vor allem im Staat Israel repräsentiert sehen und jüdisches Leben in Deutschland, das wir im Allgemeinen mit den jüdischen Einheitsgemeinden und dem Zentralrat der Juden in Deutschland gleichsetzen, ungleich vielfältiger und komplizierter sind als unsere Vorstellung - und unser Wissen davon - davon gibt diese Zeitschrift Zeugnis.
[...] Dass es größter Anstrengungen bedarf, damit künftige Generationen aus ihm heraustreten können, davon erzählen alle Beiträge von »Babylon«, einer Zeitschrift, die sich der Anstrengung des Denkens und des Erfahrungsaustauschs immer wieder stellt. Solche Versuche sind weder müßig, noch betreffen sie nur wenige: sie sind nötig, um Vorurteile abzubauen, monolithische Denkstrukturen aufzubrechen und uns empfindlicher zu machen für die Probleme und die Vielfalt von Lösungsansätzen, die im Gespräch zwischen Juden und Nichtjuden, deutschen zumal, diskutiert werden. Die Bubis-Walser-Debatte erweist sich vor diesem Hintergrund als eine Auseinandersetzung, die mehr über deutsche Befindlichkeiten und Ressentiments aussagt, als über die jüdische Gegenwart, der »Babylon« auf der Spur ist.
(Roland H. Wiegenstein, WDR, 20. 03. 2000)